Indien

Indien war für mich seit ich denken kann ein Sehnsuchtsort – nun habe ich einen Teil kennengelernt (siehe Karte). Die vedischen Schriften, die Upanshidaden und die Weisheit Buddhas vor gefühlten Urzeiten gelesen und einen Sanskritkurs besucht, wollte ich mir nach meinem Besuch in China nun das andere Milliarden-Menschen-Land anschauen. Aufgrund zukünftiger Reisepläne waren Mumbai/ Goa und der Süden ausgeschlossen und so flog ich nach (Neu-) Delhi, um dann mit den Stationen Agra-Mathura-Vrindiban-Agra-Varanasi-Gaya-Bodhgaya von Kolkata/Kalkutta aus nach knapp zwei Wochen den Subkontinent Richtung Südostasien wieder zu verlassen. Ich hatte im Vorfeld nur die Flüge gebucht, kurzfristig das E-Visum beantragt und war eigentlich nicht ausreichend geimpft. Ganz klar gesagt: das hier ist ein nachträglicher Reisebericht und eine Reflektion, kein Tagebuch.

Indien – ein Subkontinent intensivster Sinneseindrücke, gute und schlechte. Für europäische Mägen ungeeigntet. Das weiß man, das kennt man. Es ist der Urspung der indo-arischen Kultur (sprachwissenschaftlich betrachtet) mit einer Geschichte vieler Brüche: zwischen 2000 und 1500 v.d.Z. sind die Arier, ein Nomadenvolk, einmarschiert und haben die bestehende (z.B drawidische) Bevölkerung verdrängt. Aus dieser Zeit stammen die meisten Gottheiten (Polytheismus ist fast immer ein Integrationsprojekt) und auch die ursprünglich quasi-rassistische Kasteneinteilung (Brahmane/Priester, Kshatriyas/Krieger und Fürsten, Vaishyas/Händler etc, Shudras/Handwerker und daneben die, nicht in diesen 4 Varna eingeteilten Unberührbaren. Die durch die religösen Texte der Veden und später auch die Upanishaden geprägte Gesellschaft befand sich in der Zeit des Hellenismus in einer Krise und aus unterschiedlichsten Gründen hat Kaiser Ashoka im 3 Jh. v.d.Z. den Buddhismus protegiert. Eine zeitlang war dieser die prägende Religion, bis die Islamisierung ab dem 12./13.Jahrhundert die Dinge maßgeblich veränderte. Seit dem Ende des 18.Jahrhunderts machten sich die Briten auf Indien zu beherrschen – was sie bis zu Unabhängigkeit 1947 taten (wodurch Pakistan und das spätere Bangladesh=Ostbengalen als muslimisch dominierte Staaten auch hervorgingen). Dennoch ist Indien mit rund 14% Muslime das zweitgrößte muslimische Land der Erde. Soviel dazu.

Nachdem ich in Indien gelandete und den ganzen Einreisekram erledigt hatte, verließ ich das Flughafengebäude und kam nicht wieder rein. Ich konnte mir keine SIM Karte kaufen und kein Geld wechseln. Verstanden habe ich es nicht, nur wußte ich sofort: dieses Land ist tatsächlich etwas anders. Verschiedene stereotype Beschreibungen zu wiederholen ist aber nicht mein Anliegen, aber etwas vorweggenommen: diese Reise war wirklich besonders. In Erinnerung blieb mir auf jeden Fall der Verkehr:

Nun zu den Städten und Etappen und dabei beginne ich mit (Neu-)Delhi. Es ist nicht ganz einfach zu unterschieden was Delhi und Neu-Delhi ist, aber die Stadt ist sehr lebendig und hat ein gutes Metro- und Bussystem. Glücklicherweise war gerade kein Megasmog, aber die Luft war zu Beginn der Reise gleich eine klare Ansage, ebenso die sozialen Gegensätze und die generelle Müllsituation. Leider hatte ich nicht die Gelegenheit ins Mahatma Gandhi Museum zu gehen undbin nur recht kurz im Regierungsviertel gewesen, sehr beeindruckend fand ich allerdings das Rote Fort und die Jama Masjid. Einen großen Eindruck machte auch der Lotustempel und verschiedene ISKCON (die Hare Krishna Bewegung) Tempel auf mich. Ich lernte ein paar sehr sympathische Inder und Inderinnen kennen (auch einen Spanier, der mit dem Fahrrad nach Indien gefahren ist), dennoch zog es mich dann recht schnell aus dieser unübersichtlichen Stadt hinaus.

Ein absolutes Spektakel war der Besuch des Taj Majal in Agra. Der vom islamischen Herrscher Shah Jahan als Erinnerungsort für seine Lieblingsfrau Mumtaz Mahal errichtete Bau wurde in der Zeit des 30jährigen Krieges errichtet und zu ihrer Grablege gemacht, während er sich selbst nach seinen Tod auch dort bestatten ließ. Sehr schön, aber dem Roten Fort recht ähnlich, ist das ebenfalls aus der Mogulzeit stammende Agra Fort und ebenfalls besuchenswert ist die als “Baby Taj Mahal” bezeichnete Grablege Itmad-ud-Daula. Der Ort Agra ist in seinem Zentrum ein rauer Kontrast zur Schönheit der Sehenswürdigkeiten und es gibt 2-3km südlich vom Taj Mahal einen für westliche Touristen vielleicht eher passenden Bereich. Ich wohnte in einer schönen Airbnb Unterkunft, unweit des als Tempel der Liebe bezeichneten Weltkulturerbes. Dadurch konnte ich an meiner ersten indischen Hochzeitszeremonie teilnehmen (es war gerade die Saison dafür) und die Leute waren sehr offenherzig.

Der Tagesbesuch in Mathura und Vrindiban war nett. Zunächst in Vrindiban angekommen, staunte ich über die unglaublich große Anzahl an Tempel. Aufmerksam sollten Brillenträger in diesem Ort sein, denn die Affen stehlen diese um sie dann fallen zu lassen – wenn man ihnen ein Saftgetränk zuwirft. Ich war gewarnt, es ist passiert, es ist gut ausgegangen und an meiner Brille sind die Spuren der Affenhand am Bügel geblieben – auch eine Reiseerfahrung. Leider bedeutete das auch, dass ich dann die meiste Zeit ohne Brille unterwegs war und von den 5000 (!) Tempeln in Vrindiban wenig sah. Auch Kameras und Handys gefallen den Affen und so sind sehr wenige Bilder entstanden. Am meisten gefiel mir der Keshighat Tempel am Ufer des Yamuna. Dieser Fluss fließt von Delhi kommend auch an Mathura und Agra vorbei, um dann im Ganges zu münden. Mathura verfügt ebenfalls über zahlreiche Tempel, einer davon gilt als eines der wichtigsten Heiligtümer des Hinduismus. Das liegt daran, dass Krishna dort einen Teil seiner Jugend oder verbracht haben soll und seine Geburtsstätte soll mit ebendiesen Shri Krishna Janambhoomi Tempel mehr oder weniger identisch sein. Von Agra bin ich dann ausnahmsweise nicht mit dem Zug, sondern mit einem ganz wunderbaren türkischen Paar in einem Schlafbus zum nächsten Ort gefahren – das dauerte knapp 10 Stunden und war aufgrund der Straßen war eine recht holprige Angelegenheit.

Den stärksten Eindruck hat Varanasi am Gangesstrom auf mich gemacht. Mit seinen bezaubernden Ghats bietet es am Fluss eine herrliche Kulisse und die Inder genießen dort ihr Bad im hochgradig verschmutzten Fluss, da er ihnen heilig ist. Das Geschehen beobachtend spazierte ich am Wasser entlang, als ich plötzlich vor einem Krematorium stand , nicht das einzige wie später bemerkte aber das größte. Im 24h Betrieb werden dort Menschen verbrannt, da dort zu versterben im Hinduismus das Aussteigen aus dem Kreislauf der Wiedergeburt bedeutet (1),(2).

Bei einem Tuchhändler bin ich eingekehrt und dieser hat mir einen lehrreichen Vortrag über die verschiedenen Tücher und Stoffe gehalten. Ausgiebig befühlte ich die verschiedensten wunderschönen Tücher aus unterschiedlich aufwendig gewobener Seide, Mallade, Pashmina, Viskose (aber in diesem Fall keine anderen Kunststoffe). Ein paar wenige Tücher habe ich auch gekauft.

Ein unvergessliches Spektakel war die abendliche Zeremonie am Fluss und dabei schien es, als ob Feuer die zentrale Bezugsgröße des Hinduismus sei.

Danach ging es von Gaya, dass auch einige Ghats und Tempel vorweisen kann, nach Bodhgaya, dem Ort an dem Siddharta Gautoma um 445 v. d.Z. die Erleuchtung erfahren haben soll. Der heutige, 50000 Menschen umfassende Ort bietet kaum ausreichend Ruhe für Erleuchtung – aber fast alle buddhistisch geprägten Länder unterhalten große Tempelanlagen und seit 2002 steht der Mahabodhi Tempelkomplex mit dem berühmten Boddhibaum auf der UNESCO Welterbeliste. Die Anlage ist tatsächlich ein besonderer Ort, die Stimmung und die Gestaltung sind sehr schön aber doch recht schlicht. Es gehört aber auch dazu, dass zahlreiche laute Schulklassen unterwegs sind. Fast hätte ich ein heruntergefallenes Blatt vom Boddhibaum – quasi eine Reliquie – erhaschen können, jedoch war eine Frau schneller (und wahrscheinlich gläubiger, daher ok) als ich. Kontakariert wird das alles durch die Armut und die Verschmutzung in den angrenzenden Vierteln – aber die Menschen, die meisten konnten kein Englisch, sind allesamt ganz wundervoll gewesen.

Den Abschluss bildete Kolkata. Im Rahmen der britischen Kolonialzeit zu Kalkutta umbenannt, war die Großstadt Ost-Bengalens (West-Bengalen ist Bangladesh) auch eine zeitlang die Hauptstadt des britisch-indischen Kolonialreiches und ist durch viel Architektur aus dieser Epoche geprägt. Nick, ein Brite den ich auf der Reise traf sagte – zugegebenermaßen sehr herablassend – dass die Stadt nur 70 Jahre nach dem Abzug der Briten absolut heruntergekommen ist. Ich hege wenig Sympathie für den britischen Kolonialismus und empfand die Stadt eigentlich sehr sympathisch aber zum Zeitpunkt meiner Anwesenheit war die Luft wirklich schlecht – schlechter als in Neu-Delhi.

In Kolkata verbrachte ich längere Zeit mit zwei netten Inderinnen aus Mubai und Umgebung. Dabei erfuhr ich einiges über die nachwievor schwierige Situation der Frauen in Indien und über die geradezu viktorianische Sexualmoral Indiens: küssen in der Öffentlichkeit ist weitestgehend tabu und voreheliche Sexualkontakte ebenfalls. In Kolkata besuchte ich auch den Kalighat Tempel, der der weiblichen Göttin Kali gewidmet ist. Dort wurden Tieropfer erbracht, die aber im Endeffekt der Armenversorgung dienen sollen, und sehr viele Frauen waren zugegen um überirdische Hilfe für die Familienplanung und / oder beruflichen Erfolg zu bekommen (ich war auch in einem Jaintempel, eine weitere Geschichte für sich). Es war tatsächlich etwas verstörend und mir wurde das fotographieren ausdrücklich untersagt. Der Hinduismus erscheint mir nach meiner Reise viel unklarer als vorher. Vor einigen Jahren las ich die Bhagavad Gita, das Ramayana, Teile der Upanishaden und der Veden. In realita ist es aber damit nicht in Einklang zu bringen und das ist irgendwie auch schön. Gleichzeitig erscheint die ganze Exotik Indiens aber als Haupthindernisgrund für gesellschaftlichen Fortschritt nach europäisch/westlichen Maßstab – zumindest in der Breite. Es gibt auch eine an der westlichen Konsumgesellschaft orientierte “Mittelschicht”. Vielfach sind die alltäglichen Probleme der Inder aber viel fundamentaler- es geht ums Überleben. Soviel Armut und Leid habe ich nie gesehen und naürlich haben mich die Menschen als vermeintlich reichen Europäer erkannt. Es hat mich innerlich sehr berührt und ich habe versucht respektvoll und generös zu reagieren. Am Ende der Reise bleibt ein tiefer und bewegender Eindruck, es war in vielerlei Hinsicht die intensivste Reise seit langem (oder vielleicht überhaupt). Natürlich haben mich die Zustände in vielerlei Hinsicht gestört (aber ich will ausdrücklich nichts herabwürdigen), dennoch bleibt der Eindruck viel mehr echtes und wirkliches Leben gesehen zu haben als in der deutschen Blase voll von Zukunftspanik und Selbstfindungsproblemen. Danke Indien.

Neues November / Dezember

Tatsächlich hat sich im Oktober das Rettungsschwimmerabzeichen Silber erreichen lassen und als nun ausstehender Prüfungstermin für das BVGD DIN EN Zertifikat

Darüber hinaus ist jetzt Ruhe und Reisen angesagt, aber es gibt ja immer etwas zu tun – zum Beispiel geht es mit der Vorbereitung des zweiten Albums voran.

Gleichzeitig entsteht nun ein Imageflyer, der meine Angebote als Stadführer und Musiker anschaulich macht. Aus meinen etwas grobschnittigen Entwürfen wird die sehr talentierte Lisa Bosbach (gegenwärtig Praktikantin bei SciVisTo) etwas sehr ansprechendes kreieren.

Zu den bisherigen ausgearbeiteten Touren kommt in Potsdam eine “Nach 1945” Tour und in Berlin eine “Berliner Migrationsgeschichte” und eine “Zwanziger Jahre” Tour.

Verkehrspolitik

kurz vor 1 Uhr am SUV Unfallort in Berlin

Ich fuhr mit dem Rad die Invalidenstraße entlang und es war schon spät: nach einer kleinen Geburtstagsfeierrunde war ich am 12.09. auf dem Weg nach Hause und beschaute die Unglückstelle des tödlichen Unfalls vom 06.September. Kurz vor ein Uhr stand dort ein Mann im Gedenken an die 4 getöteten Passanten und zuvor hatten schon zahlreiche weitere Menschen dort ihrer Trauer Ausdruck verliehen. Es scheint Unsicherheit über den Unfallhergang zu herrschen [1] und es gibt einige Forderungen hinsichtlich eventueller Konsequenzen geben [2], jedoch will ich diese den erwiesenen Fachleuten überlassen und dafür das schreckliche Ereignis zum Anlass nehmen um über die Diskussion zur Verkehrspolitik einige Betrachtungen kund zu tun.

Vorneweg eine allgemeine Bestandsaufnahme zur Situation um Ganzen: im Zuge der weiterführenden Urbanisierung und nunmehr fast 1,6 Milliarden weltweit zugelassener PKW, steht der Verkehr in Großstädten vor einem Wandel. Nicht zuletzt das Einführen von Umweltzonen nach der Jahrtausendwende, aber in noch stärkerem Maße die Diskussion um Fahrverbote für zahlreiche Dieselfahrzeuge, machen das deutlich. Gleichzeitig möchte man verschiedene alternative Fortbewegungsformen mit weniger Schadstoffemission in den Verkehr bringen. Dabei spielen im verkehrspolitischen Sinne vor allem die öffentlichen Verkehrsmittel eine große Rolle.

Im kleineren Maßstab gibt es weitere Umnutzung von Autofahr- und Parkraum für entweder Radwege oder einer Umgestaltung von Straßenraum, basierend auf dem Berliner Mobilitätsgesetz. Dieses wurde am 5. Juli 2018 verabschiedet und regelt die bessere Ausgestaltung des Verkehrs ( im Sinne der Radfahrer-Community?) im innerstädtischen Raum. Dem Vorangegangen ist eine großangelegte Unterschriftenaktion und die Mobilisierung der Radfahrer scheint anzuhalten[3] .

Was gibt es für Entwicklungen in verkehrspolitischer Hinsicht in Berlin? Zunächst seit längerem ein großes Projekt, welches die U5 mit der U55 verbindet. Gleichzeitig werden weitere Pläne für den Ausbau von U6/U7/U8 überlegt. Auch neue S-Bahnen und vor allem die Rückkehr der Straßenbahn ins ehemalige West-Berlin werden forciert. Dabei scheint zumindest die Realisierung in Zusammenhang mit dem Funtkionieren des gegenwärtigen Verkehrs schwer vorstellbar[4]. Dies ist nicht nur durch das Parkverhalten des gegenwärtigen Lieferverkehrs begründet, auch die Summe des Individualverkehrs kommt zu den Stoßzeiten an seine Grenzen – allerdings nimmt dann aber die längste Zeit nur an den Punkten A und B Parkraum ein.

Die Auswirkungen dieser Anstrengungen werden von Autofahrern natürlich sehr kritisch gesehen. Die Hälfte der Berliner hat ein Auto und steht damit Statistiken zufolge 140h im Jahr im Stau[5].

Seit Juli sind Elektroroller (wahlweise auch E-Scooter genannt) in Berlin zugelassen [6] und seitdem im Fokus der medialen Berichterstattung. Allein der ökologisch nachhaltige Aspekt wird breit diskutiert und häufig negativ beurteilt, aber in höherem Maße scheint damit eine verbundene weitere Verrohung der Umgangsformen im Straßenverkehr beobachtbar sein. Neben einigen merkwürdigen Verhaltensformen scheinen diese Verkehrsteilnehmer, vorwiegend Touristen auf diesen Dingern, sich m.E. für Berliner Verhältnisse normal zu verhalten. Unangenehm scheint mir der Situation der nicht benutzen E-Roller: dies ist nicht unansehnlich sondern oft auch gefährlich. Allerdings gibt es dabei auch schon einige Lösungsversuche [7].

Von einem Ist-Zustand ausgehend, scheint die Verknüpfung der verschiedenen Mobilitätsangebote eine größere Herausforderung zu sein (über UBER und seine Auswirkungen kann hier leider nicht auch noch gesprochen werden). Diesem Umstand scheint die in private-public-partnership erstellte App Jelbi abhilfe zu schaffen[8].

Den Individualverkehr mit Verbrennungsmotoren durch einen Individualverkehr mti E-Antrieb zu ersetzen erscheint in Anbetracht der Ökobilanz bei der Herstellung und den hohen Preisen abenteuerlich [9], da wäre mir eine Art Hybridantrieb in Verbindung mit Ober- oder Unterleitungen doch viel lieber.

Ebenfalls positiv erscheint mir die weitergehende Verbreitung von Blitzern – damit ist in Berlin eine einträgliche, erzieherische Maßnahme fürs bei Rot-über-die-Ampel-fahren gegeben [10] . Obwohl ich potentiell auch Opfer dieser Maßnahme sein könnte, bin ich davon überzeugt, dass nur durch eine konsequentere Durchsetzung der Verkehrsregeln auch ein geregelter und friedlicher Straßenverkehr dauerhaft gesichert ist – in Anbetracht der wachsenden Aggresivität und Risikobereitschaft. Kommen wir zu einem Fazit:

Fazit

Demokratie ist das politische System des gemeinsamen Kompromisses aber in Anbetracht der gegensätzlichen Interessen der Beteiligten im aufgeladenen Spannungsfeld der zukünftigen Mobilität, steht die Lösung eines besonders großeen und schwerwiegenden Konflikts im Raum. Emotionale Politisierungen von tragischen Ereignissen, wie dem sogenannten SUV Unfall, werden wohl immer wieder geschehen und erscheinen verständlich, solange sie nicht als Dauerzustand der notwendigen Veränderung im Wege stehen. Wie soll in meinen Augen die Veränderung aussehen? Diese Frage ist schon grundsätzlich falsch, weil sie eben ein im pluralistischen Gestaltungsrahmen voraussichtlich nicht umsetzbar ist (es sei denn man verändert die Vorzeichen unserer liberalen Demokratie). Viel entscheidender, denke ich, ist der modus vivendi,  also die Art und Weise wie man die unterschiedlichen Ansätze und Interessen miteinander abstimmt. Gleichzeitig ist in praktischer Hinsicht eben kein Verbot ohne gleichzeitiges (im Idealfall vorzeitiges) Alternativangebot machbar. Wer Autofahren verbietet/einschränkt braucht sich nicht über Unzufriedenheit wundern, gänzlich vermeiden wird er es aber nicht können.

(ich muss mich für diese unpräzisen und floskelhaften Formulierungen fast entschuldigen, aber eine Patentlösung habe ich nun einmal auch nicht)

Ergänzung 19.10.

Nun ist es soweit: die Klimaaktivisten von Extinction Rebellion zeigen Ihren Unmut über die Klimapolitik auf eindrückliche Weise mit Eingriffen in den Straßenverkehr. Das erfüllt den Tatbestand des Freiheitsdelikts (?) der Nötigung, wird aber von den Aktivisten als ziviler Ungehorsam verstanden. Damit ist dann schon eine grundlegend unterschiedliche Wahrnehmung implementiert. Persönlich kann ich die Perspektive des wartenden Autofahrers verstehen, den Einsatz für eine nachaltigere Klimapolitik würde ich dieser Einschränkung von persönlicher Freiheit aber als übergeordnet betrachten. Das ist spannend und wird sich am 29.11. wohl wiederholen.

Gleichzeitig ist eine teilweise Verhärtung der Fronten hinsichtlich ihrer Identifikationsmuster feststellbar. Da die Mobilitätsdebatte an die Klimadebatte angekoppelt ist, verknüpfen sich die Wahrnehmungsmuster: so ist zum einem “FCK SUV” ein Slogan [11] der einen Seite, während Autofahrer immer häufiger Greta Thunberg als Feinbild benutzen [12]

Ergänzung 10.11.

Diese Analyse zur Stadt Wien (von der Heinrich Böll Stiftung) ist auch sehr interessant

https://www.boell.de/de/urbaner-raum-von-der-autogerechten-zur-lebenswerten-stadt


Links & Quellen

  • [1] https://taz.de/Neue-Erkenntnisse-zum-SUV-Unfall/!5631690/
  • [2] https://www.morgenpost.de/meinung/article227303475/Nach-SUV-Unfall-Gut-dass-der-Verkehr-neu-organisiert-wird.html
  • [3] https://volksentscheid-fahrrad.de/
  • [4] https://www.berlin.de/senuvk/verkehr/mobilitaetsgesetz/
  • [5] https://www.tagesschau.de/inland/stau-studie-101.html
  • [6] https://www.netzwelt.de/vergleich/e-scooter-mieten-berlin-co-tier-lime-circ-voi-test.html
  • [7] https://www.morgenpost.de/bezirke/pankow/article227039691/Wer-seinen-E-Scooter-korrekt-abstellt-bekommt-Rabatt.html
  • [8] https://www.heise.de/newsticker/meldung/Jelbi-App-von-BVG-und-Trafi-vereint-Berliner-Mobilitaets-Angebote-4444131.html
  • [9] https://efahrer.chip.de/elektroautos
  • [10] https://www.morgenpost.de/berlin/article227358637/Verkehr-in-Berlin-Hier-stehen-Berlins-neue-Blitzer.html
  • [11] https://www.google.com/search?client=firefox-b-d&q=fck+suv
  • [12] https://www.google.com/search?client=firefox-b-d&q=greta+aufkleber
https://taz.de/Neue-Erkenntnisse-zum-SUV-Unfall/!5631690/

Neues September

Haus der Statistik

Im Grunde kann ich jetzt schon auf ein sehr gutes Geschäftsjahr zurückblicken und es sind fast alle Vorhaben umgesetzt worden. Im Herbst wird die noch nicht terminierte praktische Prüfung zum DIN EN zertifizierten Stadtführer machen und auch das Erreichen des Rettungschwimmerabzeichens Silber erscheint machbar. Dann soll endlich das Vorhaben Doktorarbeit in den Zustand der Umsetzung versetzt werden und ein weiteres Album ist in der Planungs- und Kreativphase angekommen.

Vielleicht biete ich im Oktober eine Führung als Saisonabschluss an, vielleicht verreise ich auch noch.

Im folgenden eine kleine Übersicht zu meinen bisherigen Zertifizierungen und Lizenzen (entspricht nicht meinem tatsächlichen Angebot, das wäre viel mehr):

Für die SPSG: Charlottenburg Altes Schloss / Neuer Flügel / Garten; Schloss und Park Sanssouci; Neue Kammern; Neues Palais; Schloss Cecilienhof und Neuer Garten; Park Babelsberg

Filmpark Babelsberg

Filmmuseum Potsdam (2019)

Gedenkstätte Sachsenhausen (2019)

Gedenkstätte Lindenstraße (2019)

Gedenkstätte Hohenschönhausen

Beijing, Shanghai & Hongkong

Schon lange faszinert mich die chinesische Kultur, doch einige Umstände ließen mich nie an eine Reise in das “Reich der Mitte” denken – bis ich mit meinem guten Freund und ehemaligen Dozenten Dr. Wilenchik die Städte Beijing, Shanghai und Hongkong besuchte. Die Reise ergab einige Antworten aber stellte auch neue Fragen an das Land, unsere Zeit und mich selbst. Ein paar Eindrücke dieser zweiwöchigen Reise möchte ich hier wiedergeben.

Angekommen am Beijinger Großflughafen war die Fahrt in die Innenstadt schon mehr als beeindruckend – bei rund 22 Millionen Einwohnern aber auch nicht weiter verwunderlich. Untergebracht in zentraler Lage war ein unverzüglicher Besuch des Tiananmen Platzes (= Platz des Himmlischen Friedens) nötig und die massive öffentliche Überwachung nicht zu übersehen. Tausende Überwachungskameras an den Laternen wirkten bizarr und denoch wagte ich am Ort der Niederschlagung der chinesischen Demokratiebewegung kurz laut “1989” (auf deutsch) zu sagen – und hatte tatsächlich Angst umgehend abgeführt zu werden. Im Straßenverkehr gibt es im Grunde keine Regeln – man darf quasi an jeder Kreuzung ohne zu bremsen rechts abbiegen. Vielleicht muss aber dafür auch Genosse sein. Elektromobilität scheint in Beijing auch nur langsam voranzukommen (aber bisher nur maximal 1-5% bei den PKW) um den immensen Verkehr in der Rushhour voranzubringen.

Konnte ich mich Internet frei bewegen? Die Great Chinese Firewall scheint auf Roaming mit der eigenen SIM Karte keinen Einfluss zu haben, allerdings wird dies nicht unbeobachtet geblieben sein.

Metro und Busse sind auch in lateinischen Ziffern beschriftet und sehr günstig. In den folgenden Tagen sind wir dann zu einigen touristisch interessanten Orten mit organisierten Touren gefahren.

Fasziniert war ich von den Chinesen selbst und sie auch von mir: in der Zeit der chinesischen Ferien waren wohl sehr viele Menschen mit ihren Kindern unterwegs (ich habe Demut gelernt, als ich mit den Menschenmassen in der Schlage stehen musste, unglaublich viele aber doch liebenswerte Menschen ) und für viele von ihnen war es die erste Reise aus der Provinz in ihre Hauptstadt, einen Europäer haben sie wohl zuvor nie gesehen und ich wurde von zahlreichen Menschen gefragt, ob ich nicht ein Foto mit ihnen oder noch öfter, mit ihren Kindern machen könne. Einmal habe ich dann auch ein Bild mit einem Kind für mich bekommen.

Beijing verfügt über ein vielseitiges Angebot für die Abendunterhaltung, allerdings fährt die Metro nur bis 23:30. Leider waren wir nicht in den zahlreichen Aufführungen der chinesischen Oper, im chinesischen Zirkus oder bei einer Kampfkunstdarbietung – aber es gibt viele Bars mit interessanter zeitgenössischer chinesischer Musik.

Mit dem durchschnittlich 350km/h schnellen Zug ging es dann nach Shanghai. Praktischerweise konnte man sich mit dem kostenlosen Heißwasserspendern auch einen zweiten und dritten Aufguss des sehr leckeren chinesischen Tees machen. Die Landschaft zog schnell vorbei (logisch) und dennoch sahen wir zahlreiche petrochemische Produktionsstätten und unglaublich viele Stahlwerke.

Shanghai, am Huanpu Jian Fluss gelegen, wird in vielen Chinabeschreibungen als Gegenpol zu Bejing, manchmal gar zum Rest des Landes, gesehen. Liberal und geschäftstüchtig nicht erst seit seit der Öffnung unter Deng Xiaoping, kann man unmittelbar südlich der Jangtse Schneise das andere China spüren – und hören, denn der Shanghai Akzent ist absolut eigentümlich (ich finde ihn eher unschön).

Von großem Interesse war für uns der Besuch im Shanghai Jewish Refugees Museum im Stadtteil Hongkou. Rund 20 000 europäische Juden konnten während des zweiten Holocaust in Shanghai Zuflucht finden, während viele andere Länder Schutz verweigerten.

Wie schon in Beijing, war das Essen in Shanghai phänomenal – auch wenn es auch dort nicht immer englische Speisekarten gab. Die Bedienungen haben aber oft stundenlang mit Hilfe ihrer Handys versucht alles zu übersetzen, obwohl mir die kleinen Bildchen für die Essensauswahl genügten. Hunde und Katzen werden in China übrigens nur in wenigen Provinzen gegessen und vom Rest des Landes wird dies verachtet – sagten mir die Chinesen.

Mit großer Sorge haben wir die Nachrichten auf CGTN (das englischsprachige Staatsfernsehen Chinas “die westlich gesteuerten Randalierer verbreiten Angst und Schrecken und müssen zur Ordnung gerufen werden”) und die BBC (“das chinesische Militär greift wegen dem allgegenwärtigen Chaos bald ein”) an den Abenden vor unserem Abflug nach Hongkong geschaut, dann aber nichts an unseren Reiseplänen geändert – die absolut richtige Entscheidung. In Hongkong konnte man unmittelbar Freiheit nach westlichen Maßstäben spüren – keine Dauerüberwachung und Kontrollen und auch keine unterschwellige, allgegenwärtige Angst.

Allein von seiner geomorphologischen Bedingungen ist Hongkong schon eine Wucht: viele Inseln und dazu wunderschöne Berge.

Merkwürdig war der Besuch in Macau: obwohl alles auch portugiesisch ausgeschildert war, sprach niemand portugiesisch (was mir ein dort wohnhafter, aus Lisboa stammender Universitätslehrer auf dem Rückflug nach Europa bestätigte) und zahlreiche widerliche Casinos haben den Aufenthalt auf das Nötigste beschränkt.

Beeindruckend fand ich den Tian Tan Buddha auf der Insel Lantau, ein harmonischer Ort für die Suche nach innerer Ruhe und die Kultivierung der Seele.

Zuletzt ein paar nötwendige Worte zu den Protesten und den Protestierenden in Hongkong. Zu unserem Glück war es während unserer Zeit auf Hongkong Island sehr ruhig und sicherlich kann ich kaum etwas Objektives über die Lage sagen. Dennoch beobachtete ich junge Aktivisten beim Plakatieren um mit einigen auch ins Gespräch zu kommen. Es waren recht normale junge Menschen, um die zwanzig Jahre alt, mutig aber kaum prädestiniert für Kämpfe mit der Polizei (es gibt einige Anhaltspunkte dafür, dass chinesische Agents Provocateurs, internationale Linksextremisten und ein Teil radikaler Hongkonger Aktivesten die Kämpfe mit der Polizei austragen). Vielleicht würde ich viele – nicht alle – als Hipster oder typisch westliche, konsumistische Jugendliche bezeichnen. Die große Masse stellten sie meines Erachtens nicht dar, dafür waren der überwiegende Teil der Menschen geschäftlich und dem schnöden Mamon folgend unterwegs – das erscheint irgendwie auch vollkommen normal (obwohl die Menschen ungleich wohlhabender und auf Stil bedacht sind als zum Beispiel die Armeleutestadt Berlin). Dennoch, in vielen Restaurants rund um den Victoria Garden trugen junge Menschen eine lila Schleife. Sie darauf angesprochen kamen wir ins Gespräch und ich teilte Ihnen meine Perspektive auf das Jahr 1989 mit. Aus Dankbarkeit für diese Solidarität und meine, von ihnen als Ermutigung verstandenen, Worte, schenkten sie mir ein Solidaritätschleife. Neben den Erinnerungen an die Reise ist es mein schönstes Mitbringsel.

Nicht mitgekommen ist eine chinesische Zikade – besser so. Obwohl sehr klein ist sie wahrscheinlich lauter als mein Bruder!

Neues im August

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On 10.08. I am with the company Wanderkonzepte on a concert hiketour through Potsdam’s south (Ravensberge).

Then, for the longest time of August, I am in China (photos may be published here, because the Great Firewall of China blocks various social media sites) and then at August 30th you can see and hear me with the Socket Swing Trio at the Jazzfest in city of Brandenburg starting at 7 o’clock .
https://www.jazzfest-brandenburg.de/

In addition, from September onwards I´ll take a bike tour from Brandenburg, passing Premnitz to Rathenow into my range/program (the presentation of tours will be modified).

#wanderkonzepte #concerthiketour #jazzfestbrandenburg #swing #socketswing #biciclyetour #havelland

News in Juli

After being certified for the Filmmuseum Potsdam, I can now add the memorial site Gedenkstätte Lindenstraße to my portfolio.

Since last month, I am the proud owner of a modular kayak and offer exclusive tours for one person in Berlin/Potsdam and surrounding areas (you could technically also rent it for two people).

I am still making music with the Socket Swing Trio and Pablo & Tony Swing.

At the 10th of august, I am going to have a concert hike together with the Wanderkonzepte company!

Neues im Mai

Filmmuseum Potsdam

Nun bin ich auch für das Filmmuseum Potsdam lizensiert und bald auch für die Gedenkstätte Lindenstraße in Potsdam. Damit wird mein Angebot in filmischen Belangen und auch für die politische Repräsion in der NS, sowie DDR Zeit umfangreicher.

Gleichzeitig gibt es auch weitere Auftritte: am Nachmittag des 11.05. spiele ich als Teil des Socket Swing Trio zum Ginfestival in auf dem Badeschiff und allein am 18.05. in Potsdam Bornstedt!

#filmmuseumpotsdam #gedenkstaettelindenstraße #ginfestival #socketswingtrio #bornstedtopenair

Aktuell März

Nach einem schönen Auftritt am gestrigen Abend werde ich am 23.3. im Staudenhof Potsdam musizieren.

Hier ein ein “Statement” zu meinem Versprechen bezüglich des Verkaufs der CD “Open roots”

Der Termin für eine kostenlose Tour zur Saisoneröffnung ist am 28.4. um 16Uhr, Startpunkt Hackescher Markt!